MUSIK

 


Kreidler

Spells And Daubs

(Bureau B/Indigo) VÖ: 28.01.

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Krautrock, Postrock, Electropop – irgendwo dazwischen pendeln sich die Düsseldorfer seit jeher ein, auch wenn sie andererseits stets wieder betonen, dass sie überwiegend mit britischer Pop- und Wavemusik sozialisiert worden sind.

 

Getrennt arbeitete man im letzten Jahr in Berlin und Düsseldorf an neuem Material, dass sich letztlich wie eine instrumentale Sammlung von Kurzgeschichten fügen würde. Anfang 2021 wurde in Hilden weitergearbeitet, aus fünfzehn Titeln wurden zehn selektiert, die wiederum zum Mischen nach London zu Peter Walsh (FKA Twigs, Simple Minds, Scott Walker) teleportiert wurden. Organisch klingende Beats und Klangflächen, viele echte Instrumente und ein pulsierendes Bandgefühl, dass dem dominierenden elektronischen Duktus eine gewisse Lässigkeit überstülpt – auch keine wirkliche Neuerung, ehrlich gesagt.

 

Aber warum auch von der »never change a winning team«-Losung abweichen? Zusammen mit den Schwarzweiß-Zeichnungen von Heinz Emigholz im Cover-Artwork ergibt sich ein überzeugend-zirpendes Zuhör-Album, das in seinen Bestandteilen oder auch zur Gänze in die Playlisten des trüben Winters gehört.
                                                                                                                             
Klaas Tigchelaar für Schnüss


Cat Power

Covers

Domino/Goodtogo/VÖ 13.01.

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Für den Weihnachstgrabbeltisch ist Chan Marshall aka. Cat Power natürlich zu spät dran. Aber ihr Cover-Album hat auch keinen rein finanziellen Hintergrund, auch angesichts der Tatsache, dass sie in der Vergangenheit schon zwei Coveralben hingelegt hat.

 

 

Pitchfork-Media attestierte ihr gar einmal, sie könne »einen Song neu arrangieren, indem sie ihn einfach anschaut«. Auf »Covers« werden Stücke von Frank Ocean, Bob Seger, Lana Del Rey, Jackson Browne, Iggy Pop, The Pogues, Billie Holiday, Nick Cave und The Replacements in ein neues Gewand gesteckt, dass den typischen, verführerischen Cat Power-Flair verströmt. Initialzündung war angeblich «Bad Religion« (Frank Ocean), aus dem sie sich 2018 auf Tour Textpassagen für ihren eigenen Song »In Your Face« klaute, weil dieser sie im selbsterschaffenen Original nach eigener Aussage total runterzog.

 

Highlights sind auf dieser Platte rein subjektiv das fluffig-depressiv groovende »Pa Pa Power« (von Ryan Goslings Band Dead Man’s Bones) und Lana Del Reys vom Pathos befreites »White Mustang«. Aber als Chan-Fan kann man natürlich ohnehin bedenkenlos zugreifen. Zumal sie das komplette Album selbst produziert hat und eine »aktualisierte Version« von »Hate« (von »The Greatest« aus 2006) ebenfalls enthalten ist.                                                                                                                                                         Klaas Tigchelaar für Schnüss


Garcia Peoples

Dodging Dues

No Quarter/Cargo/VÖ: 14.01.

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Was würde wohl passieren, wenn man die spontanen Performances im Jam-Band-Universum einer Effizienzanalyse unterziehen würde? Alles was redundant, langweilig oder uninspiriert anmutet fliegt raus. Klar, das würde die Bands in ihrer Spontanität beschneiden und den mitflippenden Fan wahrscheinlich in den finalen Horrortrip treiben.

 

Aber in Zeiten, in denen die Masse an neuen Musikveröffentlichungen beinahe grotesk-überbordende Züge annimmt, kriegt man echt keinen Blumentopf mehr dafür, dass man die letzten 38 Minuten gerade so nice im flow war. Garcia Peoples aus New Jersey zeigen mit ihrem fünften Album auf beeindruckende Weise, wie man sich psychedelisch-eloquent freispielt, ohne den Musik-Normalo zu Tode zu langweilen. Ja, es gibt Gitarrensoli, es gibt epische Momente der Getragenheit, und es gibt zu viele Querverweise zu The Grateful Dead (der Bandname ist kein Zufall). Aber hier wurde konsequent weitergedacht, die Laufzeit des Albums auf knapp 45 Minuten beschränkt und das Songwriting mehr ins Scheinwerferlicht gerückt, als sonst im Genre üblich.

 

Weiterhin erwähnenswert sind die wechselnden Gesänge von Bassist Andy Cush und Keyboarder Pat Gubler, die von schönen Harmoniegesängen im Hintergrund vervollständigt werden, an denen u.a. auch Matt Sweeney (Chavez, Superwolves, Iggy Pop, Zwan) beteiligt war, der hier als Produzent fungiert. So tönt das dann am Ende mehr nach Motorpsycho in ihrer softeren Phase, als nach US-Hippie-Helden mit Bongwasser-Flecken auf dem Gitarrengurt.

Klaas Tigchelaar für Schnüss